Die fa:rp konzentriert sich auf pädagogische Ansätze der Rechtsextremismusprävention, die insbesondere in Schule, Jugendklubs, ambulanten oder stationären Jugendhilfeeinrichtungen eingesetzt werden können. Dabei geht es um eine geeignete jugendgerechte Ansprache, um möglichst viele Jugendliche mit Maßnahmen und Inhalten zu erreichen, wie etwa jugendkulturelle Ansätze der politischen Bildung. Es braucht versierte Trainer*innen, die auch in hochdynamischen Gruppensituationen, Ruhe bewahren und einen Dialog aufrechterhalten können. Die Gruppengestaltung sollte auf schwierige Dynamiken und herausfordernde – rassistische, antisemitische, demokratieverachtende - Äußerungen vorbereitet sein, Ruhezonen und Interventionstechniken für Jugendliche bereithalten, denen die Diskussionen zu viel werden, aber auch für jene die wenig Interesse an demokratischen Aushandlungsprozessen haben und mit rechtsextremer Agenda stören wollen.
Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass es an vielen Orten nicht mehr möglich ist Gruppen in Schulen mit primärpräventiven Angeboten zu erreichen. Es kommt dennoch darauf an, mit allen jungen Menschen im Gespräch zu bleiben und die Angebote adressat*innen-gerecht an der Schnittstelle zwischen Primär- und Sekundärprävention auszugestalten und auch die lokalen Ausstiegsangebote zu kennen. Hierzu entwickeln, erproben und vermitteln wir methodische Zugänge und praxisorientierte Modelle für die systematische Bearbeitung von Rechtsextremismus in Schule, Jugendarbeit und Kommune.
Infoportal Rechtsextremismusprävention
Sie suchen eine Beratungsstelle oder Fortbildungsmaßnahmen in Ihrer Region? Gemeinsam mit dem Kooperationsverbund Rechtsextremismusprävention haben wir ein Infoportal erarbeitet, das bundesweit auf Hilfsangebote für den geeigneten Umgang mit Rechtsextremismus verweist. Hierzu gehört ein breites Spektrum an Angeboten aus primärer, sekundärer und tertiärer Prävention, wie beispielsweise Empowerment-Workshops zur Stärkung von Personen, die sich gegen Rechtsextremismus wenden, ebenso wie Beratungsstellen für Betroffene von Rechtsextremismus. Über das Infoportal Rechtsextremismusprävention können Sie das vielfältige Angebot zur Rechtsextremismusprävention in Deutschland gezielt nach Bundesland, Thematik oder Format durchsuchen.
Radikalisierung findet nicht schlagartig statt. Die Hinwendung zu rechtsextremen Strukturen verläuft meist in einem Prozess, in dem persönliche Bedürfnisse, die Suche nach Sinn und Wirksamkeit, Neugier das eigene Umfeld sowie Gelegenheitsstrukturen – eine regionale rechtsextreme Szene oder das Vorhandensein rechtsextreme Jugendkulturen – eine Rolle spielen.
Wenn Heranwachsende beginnen, sich Rechtsextremismus zuzuwenden, wird das oft auch für die Außenwelt sichtbar: zum Beispiel anhand von abwertenden Äußerungen, dem Tragen von destruktiv-politischen Kleidermarken und Symbolen, dem Rückzug aus bestimmten Gruppen- und Freizeitkontexten oder an neuen Freund*innen aus rechtsextremen Cliquen. Außerdem spielen häufig rassistische, gender- und sexualitätsbezogene ebenso wie antisemitische Entwertungs- und Feindbildkonstruktionen eine besondere Rolle. Auf emotionaler Ebene zeigt sich oft auch eine Neigung zu Affekthandeln und Ausagieren von Hass und Gewalt, während auf kognitiver Ebene eine Empfänglichkeit für Verschwörungstheorien besteht.
Den Einstieg verhindern
Für diese jungen Menschen, die in der Regel minderjährig und noch nicht straffällig geworden sind, gibt es jedoch wenig Angebote – Distanzierungstrainings im Einzel oder Gruppensetting, die sie vor einem weiteren Einstieg in das rechtsextreme Spektrum bewahren. Dabei bestehen gerade in einem frühen Stadium der Hinwendung zu Rechtsextremismus und menschenverachtenden Einstellungen noch gute Chancen, um Jugendliche anzusprechen: Je früher mit einer*m Jugendlichen gearbeitet wird, desto eher kann eine Distanzierung von menschenfeindlichem Verhalten und (rechts)extremistischem Denken erreicht werden. Dabei ist es wichtig, den jeweiligen individuellen Hintergrund früh im Gespräch zu erschließen und dabei so weit wie möglich systemisch zu arbeiten.
Das Team der Fachstelle Rechtsextremismusprävention berät zu Interventionen und führt gemeinsam mit Ihnen Situationsanalysen durch, um bedarfsgerechte Maßnahmen der Intervention und Prävention zu entwickeln. Außerdem bieten wir Fortbildungen zum Umgang mit Rechtsextremismus für pädagogische Fachkräfte an.
Fachstelle für Distanzierungsarbeit
Die Fachstelle Distanzierungsarbeit von cultures interactive bietet Aufklärung, Beratung und Begleitung für pädagogische Maßnahmen zur Unterstützung von Prozessen der Distanzierung und demokratischen Persönlichkeitsentwicklung. Fortbildungen für Fachkräfte und Multiplikator*innen werden ergänzt durch Angebote der direkten Arbeit mit Jugendlichen. Ausführliche Informationen finden Sie auf der Homepage der Fachstelle Distanzierungsarbeit.
Gender ist sowohl für die ideologischen Ausprägung ebenso wie für die Disposition von (jungen) Menschen, die sich dem Rechtsextremismus zuwenden, ein entscheidender Faktor. Denn Sexismus, die Abwehr von Gleichberechtigung und die Ablehnung von Homosexualität und Queerness sind zentral in rechtsextremer Ideologie, ebenso wie zum Teil vormoderne Rollenvorstellungen. Außerdem zeigt sich, dass konfliktreiche Genderthematiken eine der Ursachen dafür sein können, dass junge Menschen sich extremistischen Szenen zuwenden.
Gender ist entscheidend
Zudem verwenden rechtsextreme Gruppen geschlechtsspezifische Ideologien und Strategien. Frauen und Männern bieten sie geschlechtsspezifische Formen der Beteiligung, ebenso wie geschlechtsspezifische Aufgabenverteilungen und Themenbesetzungen. Dass (junge) Frauen von ihrem Umfeld häufig nicht als politisch aktive Extremistinnen wahrgenommen werden, erleichtert dabei ihren strategischen Einsatz. Das führt dazu, dass rechtsextreme Frauen nach wie vor oft übersehen werden, wenn sie, mit bestimmten strategischen Funktionen im Gemeinwesen versehen, im Elternbeirat, der Sozialarbeit, in der Kita oder in kommunalen Ehrenämtern und im Vereinsleben Einfluss entfalten. Genauso werden die von rechtsextremen Organisationen gezielt in Anspruch genommenen Themen mit Genderbezug – zum Beispiel die Ablehnung von Gender-Mainstreaming, das Aufheizen der Migrationsdebatte angeblich zum Schutz von (deutschen) Frauen vor sexualisierten Übergriffen und andere– oft nicht als organisierte Strategien erkannt und enttarnt.
Prävention, Distanzierung und Deradikalisierung müssen deshalb genderreflektiert angelegt werden. Auch, weil junge Frauen und Männer an unterschiedlichen Orten für die Distanzierung ansprechbar sind und verschiedene Zugänge und Unterstützungsangebote benötigen.
Cultures interactive /die fa:rp arbeitet kontinuierlich zu dieser Thematik und bietet hier Veröffentlichungen, Vorträge und Fortbildungen an.
WoMex – Genderaspekte in Rechtsextremismus und religiösem Fundamentalismus
Das Erstarken von rechtsextremen aktionsorientierten Jugend-/Jungengruppen 2024/25 zeigt, dass jugendkulturelle Erlebniswelten wieder mehr junge Menschen ansprechen. Umso wichtiger ist es jugendkulturelle Aspekte in die Rechtsextremismusprävention einzubeziehen.
Als Jugendkultur werden die kulturellen Aktivitäten und Stile von Jugendlichen innerhalb einer gemeinsamen Kulturszene bezeichnet. In den letzten 50 Jahren sind verschiedene solcher Jugendkulturen entstanden und haben sich immer wieder verändert. Auch rechtsextreme Jugendszenen haben dabei ihre eigenen Jugendkulturen entwickelt. Sie stellen einen Übergangsbereich dar, der gleichermaßen von typisch jugendkulturellem Verhalten und politischen Aktivitäten gekennzeichnet ist. Doch diese Überlagerung von Jugendkultur und rechtsextremer Politik (ob neonazistisch, völkisch-identitär oder anderer Form) kann bei Jugendlichen zur ideologischen Radikalisierung führen.
Niedrigschwelliger Zugang zur rechtsextremen Szene
Musik, Kleidungsstile und das Spielen mit ein- und zweideutigen oder teils von links angeeigneten Codes und Symboliken bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu rechtsextremen Szenen. Das Tragen bestimmter Bekleidungsmarken, Zeichen und Codes ermöglicht dabei mindestens das Kokettieren mit teilweise verbotenen Gruppierungen, ebenso wie mit als gewalttätig geltenden Einstellungen und Verhaltensweisen. Oft wird damit aber auch die Zugehörigkeit zur rechtsextremen Szene offen zur Schau gestellt, ohne sich durch Worte positionieren zu müssen – der Dresscode ist zumindest für Eingeweihte Botschaft genug. Das benutzen Jugendliche, um sich abzugrenzen und oft auch, um sich selbst aufzuwerten oder vermeintlich Stärke und Coolness zu zeigen.
Rechtsextreme Erlebniswelten
Der Kleidungsstil und ästhetische Ausdruck rechtsextremer Jugendkulturen haben sich im Laufe der Zeit verändert, der Inhalt jedoch kaum: Er reicht von der Verherrlichung des Nationalsozialismus über germanisch-heidnische Bezüge bis zu neonazistischen oder (neu)rechts geprägten jugendkulturellen Codes und Symboliken. Seit den 2000er Jahren lässt sich zudem eine jugendkulturelle Öffnung im Rechtsextremismus beobachten: Heute ist nicht mehr allein der Rechtsrock die klassische Subkultur. Stattdessen sind neue Erlebnisangebote mit dazugehörigen Musik- und Kleidungsstilen hinzugekommen. Zunehmend verschwimmen die Grenzen zwischen den jugendkulturellen Strömungen.
Jugendkulturen in der Rechtsextremismusprävention
Natürlich gibt es nicht allein rechtsextreme Jugendkulturen. Im Gegenteil, jugendkulturelle Zugänge können in der Prävention von Rechtsextremismus eine wichtige Rolle spielen, weil sie an der Lebenswelt der Jugendlichen orientiert sind und sie direkt ansprechen. Sie ermöglichen es Jugendlichen, selbst kreativ tätig zu werden, Selbstwirksamkeit zu erfahren und die eigenen Räume mitzugestalten. Auch in der politischen Bildung wichtige Themen wie Gerechtigkeit, Ausgrenzung, Diskriminierung oder Ungleichheit spielen in und für Jugendkulturen häufig eine zentrale Rolle. Deswegen sind wir überzeugt, dass Jugendkulturangebote, die bewusst und methodisch kompetent eingesetzt werden, zu einer Förderung von weltoffenen, menschenrechtsorientierten Haltungen und jugendgerechter demokratischer Teilhabe beitragen können. Mehr Informationen zu den Jugendkulturworkshops finden Sie unter Prävention und Distanzierung.